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Meine Arbeiten verändern nicht die Welt. Sie verschieben die Perspektive, aus der wir sie betrachten.


Foto: Pauschenwein
Artist Statement
Mich interessiert nicht das Bild als fertiges Objekt, sondern der Moment, in dem Bedeutung entsteht.
Meine Kunst entsteht im Spannungsfeld zwischen Natur und Technik, Mensch und Raum, digitaler Simulation und physischer Präsenz. Am Anfang steht die Beobachtung – von Strukturen, Bewegungen und Veränderungen, aber auch davon, wie unterschiedlich wir dieselbe Wirklichkeit wahrnehmen können. Mich beschäftigt das Dazwischen: der Raum zwischen Sehen und Erkennen, zwischen einem Zustand und dem nächsten. Was geschieht, wenn sich Perspektive, Zeit, Massstab oder Kontext verändern? Wann wird Vertrautes fremd – und Fremdes vertraut? Wahrnehmung ist für mich kein fester Zustand. Sie wandelt sich mit unseren Erfahrungen und Erinnerungen, mit dem Ort, an dem wir stehen, und mit der Zeit, die wir einem Moment geben. Ein Augenblick kann sich ausdehnen, während lange Zeiträume beinahe spurlos vorüberziehen. Massstäbe beginnen zu kippen. Mikro und Makro, Landschaft und Struktur, Natürliches und Konstruiertes gehen ineinander über. Vermeintliche Gewissheiten lösen sich auf – und etwas Neues kann entstehen. Natur und Technik sind für mich keine Gegensätze. Beide prägen unsere Wirklichkeit und meinen Blick auf sie. In der Natur begegne ich Rhythmen, Strukturen und Prozessen ständiger Veränderung. Technologie erlaubt mir, diese Beobachtungen weiterzuführen, zu verschieben und in andere Zustände zu überführen. An ihren Berührungspunkten entstehen Welten, die sich keiner der beiden Seiten eindeutig zuordnen lassen. Meine künstlerische Haltung und meine Arbeitsweise sind untrennbar miteinander verbunden. Malerei, digitale Simulation, Animation, Licht, Installation und Klang sind keine getrennten Disziplinen, sondern unterschiedliche künstlerische Forschungsräume, in denen sich dieselben Fragestellungen weiterentwickeln. Die Medien wechseln, Formen verändern sich, Prozesse führen an unerwartete Orte. Mich interessieren diese Übergänge – von Konstruktion zu Auflösung, von digital zu physisch, von Stillstand zu Bewegung, von Ordnung zu einem neuen, noch offenen Zustand. Diese Bereitschaft, Gewohntes zu hinterfragen, ist zugleich eine Haltung gegenüber der Welt. Die eigene Wahrnehmung nicht als die einzig mögliche zu begreifen, bedeutet, anderen Sichtweisen Raum zu geben. Darin liegen für mich Respekt und Verantwortung – im Umgang miteinander ebenso wie mit der Natur und unserer Umwelt. Kunst kann einen Moment des Innehaltens schaffen, vertraute Vorstellungen verschieben und den Blick für andere Möglichkeiten öffnen. Ein Werk endet deshalb für mich nicht dort, wo meine Arbeit daran endet. Im Blick des Betrachters beginnt es sich weiterzuentwickeln. Erfahrungen, Erinnerungen und Vorstellungen treten hinzu und können seine Bedeutung verändern. Der Kontext öffnet eine Tür – was wir dahinter entdecken, kann unseren Blick verändern. Meine Kunst ist mehr als blosse Darstellung. Sie ist eine Einladung, innezuhalten, das Vertraute neu zu entdecken und auch im Unvollkommenen Schönheit zu erkennen. Sie eröffnet Raum für eigene Empfindungen, für neue Verbindungen und für einen bewussteren Umgang mit uns selbst und unserer Umwelt.



"Die eigene Wahrnehmung ist nicht der einzige mögliche Blick. Anderen Perspektiven Raum zu geben, ist Teil unserer Verantwortung."

"Manchmal verändert sich nicht die Welt – sondern die Art, wie wir sie wahrnehmen. Dort beginnt der Dialog."

Christoph Pauschenwein
Biografie
Kein Projekt. Ein Lebensentwurf.
Christoph Pauschenwein (*1971) beschäftigt sich mit Fragen der Wahrnehmung, des Raums und der Transformation. Rückblickend erkennt er, dass diese Themen seine Arbeit seit frühester Kindheit begleiten – lange bevor sie zu einem bewussten künstlerischen Anliegen wurden. Schon als Kind war das Zeichnen für ihn ein Ort der Konzentration und des Rückzugs. Dennoch führte ihn sein Weg zunächst nicht an eine Kunstschule, sondern in eine Ausbildung als Maler. Dort begegnete er erstmals Menschen, die Kunst nicht nur als Beruf, sondern als Haltung lebten. Diese Erfahrungen legten den Grundstein für ein Denken, das ihn bis heute begleitet.

Es folgte eine Ausbildung zum Grafiker und eine über dreissigjährige Tätigkeit in den Bereichen Gestaltung, visuelle Kommunikation und räumliche Konzepte. Während dieser Zeit entstanden parallel kontinuierlich eigene künstlerische Arbeiten. Rückblickend versteht Pauschenwein diese Jahre nicht als Umweg zur Kunst, sondern als Teil derselben Entwicklung. Grafik, Architektur, Film, digitale Bildwelten und Malerei waren für ihn nie getrennte Disziplinen, sondern unterschiedliche Zugänge zu denselben Fragen. Die bewusste Entscheidung, den Schwerpunkt vollständig auf die Kunst zu legen, fiel 2020. Eine gesundheitliche Zäsur verstärkte diesen Entschluss und führte zu einer grundlegenden Neuorientierung. Seither verbindet Pauschenwein digitale Simulation, Malerei und räumliche Installationen zu einer eigenständigen künstlerischen Praxis. Seine Arbeiten untersuchen nicht Objekte, sondern Prozesse der Wahrnehmung. Sie entstehen an der Schnittstelle zwischen digitalem und physischem Raum und laden dazu ein, vertraute Vorstellungen von Zeit, Massstab und Wirklichkeit immer wieder neu zu hinterfragen.
Werkgruppe
Planeten – Wahrnehmung zwischen Mikro und Makro
Organische Strukturen kippen zwischen vertraut und fremd, zwischen mikroskopischer Nähe und planetarer Distanz. Massstab und Kontext bleiben bewusst offen. Aus Bewegung, Transformation und Wiederholung entstehen Bildräume, deren Bedeutung sich mit der Wahrnehmung verschiebt.
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